Sonntag, 30 September 2012 00:00

Virtuelle Handreichung zu den 60 Sekunden-Wettbewerben mit Zusatzmaterial

geschrieben von  Fares Kharboutli

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Die Handreichung zu den 60 Sekunden-Wettbewerben liegt nun auch in virtueller Form vor. Im Gegensatz zur kompakten PDF-Version bietet sie vers60sek150chiedene weiterführende Materialien. Dazu zählen zum Beispiel nähere Informationen zu den Hintergründen des Formats sowie eine Checkliste und eine Bewertungstabelle zur Durchführung eigener Wettbewerbe. Außerdem kann man sich die Gewinnervideos der bisherigen beiden Wettbewerbe aus den Jahren 2009 ("60 Sekunden für die Demokratie") und 2010 ("60 Sekunden für Toleranz") ansehen.

Damit Sie sich erst nicht mühsam durch die Seite klicken oder scrollen müssen, finden Sie die Zusatzmaterialien und die Gewinnervideos gleich am Seitenanfang.

Danach folgt die virtuelle Handreichung. Die Kapitel über die Gewinnervideos sind ebenfalls auf die betreffenden Clips verlinkt.

Viel Spaß!

MATERIALIEN

- Checkliste zur Durchführung eines „60 Sekunden"-Wettbewerbs

- Raster zur Bewertung der Wettbewerbsbeiträge („Bewertungstabelle")

- Auf dem Weg zum eigenen Clip: Tipps und Tricks

- Toleranz – ein kurzes Wort, doch so viele Bedeutungen

DIE GEWINNERVIDEOS

- Dieses ist der erste Streich (2009)

- Demokratie mal anders (2009)

- Humankapital (2009)

- Alles klar (2010)

- Whiteboard goes tolerance (2010)

- Toleranz baut Brücken (2010)

DIE HANDREICHUNG

Teil 1: BASICS

Für wen ist diese Handreichung gedacht?
Was findet man in dieser Handreichung?
Was ist das Konzept von „60 Sekunden"?

Teil 2: DIE WETTBEWERBE IM RÜCKBLICK

„60 Sekunden für die Demokratie" (2009)
„60 Sekunden für Toleranz" (2010)

Teil 3: „60 SEKUNDEN" ZUM SELBERMACHEN

Wie kann ich einen solchen Wettbewerb selbst durchführen?
Wo finde ich weiterführende Materialien?

Teil 4: SCHLUSS

Die Handreichung in 60 Sekunden: Eine kurze Zusammenfassung

VORWORT

„Politische Bildung mal anders:

kein Seminarraum, kein Papier, kein Lesen und Sitzen."

So haben die Initiatorinnen und Initiatoren von „60 Sekunden" einmal den Grundgedanken der Wettbewerbsreihe auf den Punkt gebracht.

Der Clou an dem Format: Die Teilnehmenden kreieren einminütige Videoclips, in denen sie sich aktiv damit auseinandersetzen, was Politik für sie ganz persönlich bedeutet. Diese Clips können witzig sein, nachdenklich oder provokativ – der Kreativität sind nahezu keine Grenzen gesetzt.

Im Jahr 2009 startete der Wettbewerb unter dem Motto „60 Sekunden für die Demokratie", im Jahr darauf hieß es „60 Sekunden für Toleranz".

Diese Handreichung bietet einen Rückblick auf beide Wettbewerbe, veranschaulicht das Konzept der Reihe und lädt Akteure der politischen Bildungsarbeit dazu ein, selbst einen solchen Wettbewerb durchzuführen. Ein ausführlicher Leitfaden hält entsprechende Tipps dafür bereit.

Basics

1. Für wen ist diese Handreichung gedacht?

Diese Handreichung richtet sich an all jene, die sich für die Wettbewerbe „60 Sekunden für die Demokratie" und „60 Sekunden für Toleranz" bzw. die dahinter stehenden Konzepte interessieren.

Damit sind sämtliche Akteure der politischen Bildungsarbeit gemeint, egal ob im schulischen oder außerschulischen Rahmen sowie in der Jugend- oder Erwachsenenbildung. Zwar sind die Wettbewerbe ursprünglich für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 22 Jahren konzipiert worden, sie sind jedoch vom Grundsatz her ohne Weiteres auf ältere Zielgruppen übertragbar.

Auch Studentinnen und Studenten, z.B. der Pädagogik oder der Sozialwissenschaften, die nach Beispielen für praktische politische Bildungsarbeit suchen, sind Adressaten dieser Handreichung.

2. Was findet man in dieser Handreichung?

Die Handreichung hat zwei inhaltliche und konzeptionelle Schwerpunkte:

Sie bietet einerseits einen Überblick zu Intentionen, Ablauf und Ergebnissen der Wettbewerbe „60 Sekunden für die Demokratie" und „60 Sekunden für Toleranz".

Andererseits liefert sie einen Leitfaden zur eigenen Durchführung derartiger Projekte.

Die Handreichung ist in virtueller Form sowie als PDF-Datei verfügbar. In der virtuellen Version sind die Gewinnervideos vergangener Wettbewerbe miteingebunden. Außerdem können weiterführende Materialien heruntergeladen werden.

3. Was ist das Konzept von „60 Sekunden"?

„60 Sekunden" ist ein internetbasiertes Format für Wettbewerbe im Bereich der politischen Bildung.

Die Grundidee besteht darin, dass die Teilnehmenden (Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 22 Jahren) in sehr pointierter Form, eben in 60 Sekunden, ihre eigenen Erfahrungen mit einem politischen Grundthema wie „Demokratie" oder „Toleranz" zum Ausdruck bringen sollen. Dies geschieht in Form von Videoclips, die ganz verschieden ausgerichtet sein können – Hauptsache persönlich und kreativ.

Das Wettbewerbskonzept versteht sich auch als Versuch, das Format des Web 2.0 in die politische Bildung zu integrieren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Beiträge können selbst eingestellt werden und sind schnell für andere sichtbar. Zudem wird das Internet von immer größeren Teilen der Bevölkerung genutzt, es erreicht also im Idealfall auch bislang unterrepräsentierte Zielgruppen der politischen Bildung. Diese können sich aktiv beteiligen und sind somit mehr als nur Konsumenten.

Die Wettbewerbe im Rückblick

4. „60 Sekunden für die Demokratie" (2009)

Veranstalter und Partner:

Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Veranstalter)

Netzwerk Politische Bildung Bayern (Veranstalter)

Akademie Führung & Kompetenz am Centrum für angewandte Politikforschung der LMU München

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Universität Augsburg

Jugendmagazin SPIESSER (Medienpartner)

Modalitäten und Ablauf:

Teilnahmeberechtigt waren Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 22 Jahren mit Wohnsitz in Bayern.

Teilnehmen durften Gruppen zwischen zwei und fünf Personen, egal ob Freundinnen und Freunde oder Schul- bzw. Jugendgruppen.

Die Aufgabe bestand darin, in einem 60-sekündigen Clip darzustellen, was das Wertvolle an der Demokratie sei.

Dafür war nicht unbedingt eine professionelle Filmausstattung vonnöten; auch mit Handykameras durfte beispielsweise gefilmt werden.

Die Videos wurden von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern (nach vorheriger Anmeldung) auf der eigens eingerichteten Internetseite www.60sek.de eingestellt.

Der Teilnahmezeitraum betrug drei Monate (Juni bis September 2009).

Die Gewinner des Publikumspreises wurden online gekürt: Wer die beste Bewertung erhielt, gewann; eine siebenköpfige Fachjury wählte anschließend zehn weitere Preisträger aus.

Die Gewinner erhielten folgende Preise: Blick hinter die Kulissen der Fernsehsendung „Galileo" (Publikumspreis); jeweils einen iPod nano (1. Jurypreis); jeweils eine Digitalkamera (2. Jurypreis); außerdem: Konzert- und Kinogutscheine (Platz 3 bis 10).

Geehrt wurden sie am 30. November 2009 im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus.

Gewinnerbeiträge:

Den Publikumspreis erhielt die Gruppe DalbergTV, bestehend aus Schülerinnen und Schülern des Dalberg-Gymnasiums Aschaffenburg, mit ihrem Video „Dieses ist der erste Streich ...". Durch den Clip führte eine Schülerin, die der Schüler- und Lehrerschaft mit einem Augenzwinkern Fragen zum Grundgesetz stellte.

Der erste Jurypreis ging an die Macher des Beitrags „Demokratie mal anders". Dies waren Marcel Jelinek und Marco Meynhardt, Schüler der Städtischen Berufsoberschule Augsburg. Eine Zeichentrickfigur in Gestalt einer sprechenden Deutschlandflagge widmete sich dabei der gereimten Frage: „Demokratie – was wären wir nur ohne sie?" Durch diese humorvolle Animation gelang es, eine ernsthafte Botschaft unterhaltsam zu präsentieren.

Die Gruppe „NeWaYuRa" konnte mit ihrem Video „Humankapital" den zweiten Jurypreis erringen. Bei der Gruppe handelte es sich um Jugendliche aus den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft München. Der Clip kam gänzlich ohne Worte aus – seine Botschaft war trotzdem eindeutig: Die Würde des Menschen ist unantastbar, Menschen sind mehr als nur „Humankapital".

So äußerten sich einige der Teilnehmer zu den Ideen hinter ihren Videobeiträgen:

„Als Arbeitslose bekommen wir in unserem Alltag oft diesen Stempel aufgedrückt. Dann heißt es: die arbeitslosen Jugendlichen, die nur rumhängen und nichts erreichen wollen. Wir denken aber, dass ein Mensch anhand seiner Leistung und nicht seines Abschlusses bewertet werden sollte. Deshalb wollten wir etwas zur Unantastbarkeit der Würde des Menschen machen."

(Die Gruppe NeWaYuRa, Gewinner des 2. Jurypreises)

„Wir denken, dass Demokratie größtenteils eine gute Sache ist, weil wir relativ frei leben und uns selber entfalten können. Und weil wir ohne die Demokratie wohl all die wichtigen Rechte, die im Grundgesetz verankert sind, nicht hätten."

(Die Macher des Beitrags „Demokratie mal anders", die den 1. Jurypreis erhielten)

5. „60 Sekunden für Toleranz" (2010)

Das Konzept von „60 Sekunden für Toleranz" beruhte im Wesentlichen auf dem Wettbewerb „60 Sekunden für Demokratie" aus dem Jahr 2009.

Die grundlegenden Unterschiede zwischen beiden Wettbewerben sind kursiv unterlegt.

Veranstalter und Partner:

Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (Veranstalter)

Netzwerk Politische Bildung Bayern (Veranstalter)

Akademie Führung & Kompetenz am Centrum für angewandte Politikforschung der LMU München

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

Universität Augsburg

Internationales Katholisches Missionswerk missio

Modalitäten und Ablauf:

Teilnahmeberechtigt waren Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 22 Jahren mit Wohnsitz in Bayern, außerdem – anlässlich der Fußball-WM – Personen der gleichen Altersgruppe aus Südafrika.

Teilnehmen durften Gruppen zwischen zwei und fünf Personen, egal ob Freundinnen und Freunde oder Schul- bzw. Jugendgruppen.

Von der Ausschreibung an wurde der Wettbewerb via Facebook begleitet.

Die Aufgabe bestand darin, in einem 60-sekündigen Clip persönliche Erfahrungen mit dem Thema Toleranz darzustellen.

Dafür war nicht unbedingt eine professionelle Filmausstattung vonnöten; auch mit Handykameras durfte beispielsweise gefilmt werden.

Die Videos wurden von den Teilnehmern (nach vorheriger Anmeldung) auf der Internetseite www.60sek.de eingestellt.

Der Teilnahmezeitraum betrug knapp zwei Monate (Juni / Juli 2010).

Der Gewinner des Publikumspreises wurde online gekürt: Wer bis zum 19. Oktober 2010 die beste Bewertung erhielt, gewann; eine Fachjury wählte anschließend zwei weitere Preisträger aus.

Die Gewinner erhielten folgende Preise: Dreh- und Schnitttag mit Profis von den Bavaria Filmstudios (Publikumspreis); Camcorder (1. Jurypreis); Gutscheine im Wert von 30 Euro pro Person von der Firma Weltbild (2. Jurypreis).

Geehrt wurden sie am 27. Januar 2011 im Bayerischen Kultusministerium.

Gewinnerbeiträge:

Den Publikumspreis gewannen ehemalige Schüler des Beruflichen Schulzentrums Oskar von Miller in Schwandorf mit ihrem Clip „Alles klar?". Der Film ging der Frage nach, ob Wegschauen tolerant ist. Man sieht, wie ein Jugendlicher durch die Straßen läuft und sich anscheinend nicht für die Geschehnisse um ihn herum interessiert. Am Schluss des Clips ist auf einer Wand zu lesen: „Weggucken = Toleranz?".

Den zweiten Preis vergab die Jury an die Jugendgruppe „Katakombe" mit dem Clip „Whiteboard goes tolerance", einer intelligenten Whiteboard-Animation. Zu der Gruppe gehörten Sophia Hamburger, Anna-Sophia Gollas und Sebastian Krugler.

Den dritten Preis erhielten Stefan Schäfer und Felix Louis für ihren Clip „Toleranz baut Brücken". Der Film zeigt, wie ein Rollstuhlfahrer auf einer schmalen Brücke den Durchgang für einen entgegenkommenden Radfahrer „blockiert". Im ersten Szenario beschimpft der Radfahrer den Gehbehinderten, im zweiten gibt er sich geduldig und hilfsbereit. Fazit: „Besser geht es mit Toleranz."

"60 Sekunden" zum Selbermachen

6. Wie kann ich einen solchen Wettbewerb selbst durchführen?

Haben Sie Lust bekommen, einen ähnlichen Wettbewerb durchzuführen? Dann finden Sie in diesem Kapitel detaillierte Hinweise.

Das Kapitel ist in folgende Unterpunkte gegliedert:

  •  „An alles gedacht?" – Was grundsätzlich zu beachten ist
  • -„Ohne Regeln geht es nicht!" – Was bei der Aufstellung der Modalitäten zu beachten ist
  •  „Wer gewinnt warum?" (I) – Mögliche Bewertungsmodi
  •  „Wer gewinnt warum?" (II) – Kriterien für die Jurybewertung
  •  „Der krönende Abschluss" – Die Preisverleihung
  • -„(Fast) geschafft!" – Was im Nachgang zu beachten ist

„An alles gedacht?" – Was grundsätzlich zu beachten ist:

Beachtet werden müssen insbesondere folgende Teilbereiche:

Konzipierung des Wettbewerbs, Gestaltung des Wettbewerbs, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung.

Dabei spielen folgende Aspekte eine Rolle:

Ziele – Personal – Finanzen – Zeit – Inhalte – Technisches – Modalitäten.

Reflexion der (adressatenorientierten) Ziele, d.h. insbesondere der Frage, was und wen man mit dem Wettbewerb erreichen will (Schulen? Außerschulische Einrichtungen? Jugendliche? Erwachsene?)

Organisieren des benötigten Personals, insbesondere für inhaltliche Arbeit, Promotion und finanzielle Unterstützung, aber ggf. auch für eine Fachjury; für sämtliche Aspekte kann eine Kooperation mit einem oder mehreren Partnern sinnvoll sein (bei „60 Sekunden für Toleranz" waren dies: das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, das Netzwerk Politische Bildung Bayern, die Akademie Führung & Kompetenz am Centrum für angewandte Politikforschung, die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, die Universität Augsburg und das Internationale Katholische Missionswerk missio)

Durchdenken der finanziellen Mittel und Belastungen (insbesondere für die Anwerbung von Teilnehmern sowie die Prämierung der Sieger (die Preise sollten einen angemessen Anreiz zur Teilnahme darstellen und gleichzeitig einen sachlichen Bezug zum Wettbewerb haben); nach Möglichkeit Gewinnung von Sponsoren; Pressearbeit

Zeitliche Planung: Vorbereitungszeit; Teilnahmezeitraum; Bewertungsphase → wenn möglich, großzügig planen (v.a. Vorbereitungszeit), um Unwägbarkeiten abfedern zu können; auch zu beachten: Wann wäre ein günstiger Zeitpunkt? (bei Jugendlichen z.B. in den Sommerferien)

Inhaltliche Vorbereitung (I): Inhalte und Modalitäten (siehe unten) des Wettbewerbs müssen nicht nur genau durchdacht, sondern auch expliziert werden, z.B. auf einer entsprechenden Wettbewerbshomepage

Inhaltliche Vorbereitung (II): Es kann sinnvoll sein, Interessierten ein umfassendes Angebot an Hintergrundinformationen bereitzustellen, beispielsweise zum Thema an sich („Demokratie", „Toleranz"), zur Planung von Videos und zu pädagogischen Aspekten des Wettbewerbs (Begleitmaterial für Lehrkräfte und Multiplikatoren); Beispiele hierfür finden Sie im Anhang der virtuellen Handreichung

Inhaltliche Vorbereitung (III): Um seine fachliche und didaktische Kompetenz für die Durchführung eines solchen Wettbewerbes zu schulen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten; stets empfehlenswert ist eine entsprechende Literaturrecherche und das Kontaktieren kompetenter Ansprechpartner. In die letztgenannte Kategorie fällt auch der Besuch passender Seminare oder Workshops. Hier lohnt eine Internetrecherche.

Einbinden technischer Instrumente: z.B. Erstellen einer Wettbewerbshomepage (zeitäufwändig, besonders wenn – wie bei „60 Sekunden" geschehen – es möglich sein soll, alle gängigen Videoformate ohne Formatierung hochzuladen; außerdem: auf Widrigkeiten wie Lahmlegung des Servers vorbereitet sein); idealerweise auch Kreieren eines Wettbewerbslogos; Einbindung sozialer Netzwerke wie „Facebook"

Aufstellung klarer Modalitäten (siehe nächster Punkt)

„Ohne Regeln geht es nicht!" – Was bei der Aufstellung der Modalitäten zu beachten ist:

Teilnehmerkreis – Teilnahmemodalitäten – Technisches – Bewertungsmodus

Festlegung des Teilnehmerkreises: Mindest- und Höchstalter, Gruppengröße etc.

Formulierung der Teilnahmemodalitäten, d.h. der Aufgabe (z.B. 60-sekündige Videoclips), des Themas (z.B. persönliche Erfahrungen mit Toleranz), der Hilfsmittel (z.B. Handykameras), der Verhaltensregeln (v.a. keine Platzierung parteipolitisch motivierter oder gar verfassungsfeindlicher Botschaften und keine Verletzung geltender Urheberrechte (Stichwort GEMA)) und des Teilnahmezeitraums

Festlegung der technischen Modalitäten (z.B. internetbasiert: Einrichten einer Homepage, auf der sich die Teilnehmer anmelden und ihre Beiträge einstellen können)

Fairer und nachvollziehbarer Bewertungsmodus (siehe nächster Punkt)

„Wer gewinnt warum?" (I) – Mögliche Bewertungsmodi:

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: die Bewertung durch ein „Publikum" oder durch eine Fachjury

Publikumsbewertung: Am besten geeignet für derartige Wettbewerbe sind Online-Votings. Sie bieten den praktischen Vorteil, dass sich Interessierte die Beiträge (z.B. Videos) bequem ansehen und ggf. direkt bewerten können. Es kann allerdings sinnvoll sein, spezielle technische Vorkehrungen zu treffen, um die Gefahr unbegrenzten Abstimmens durch dieselbe Person zu mindern; beispielsweise wäre eine Registrierungspflicht denkbar. Im Fall von „60 Sekunden" zählte nicht die Anzahl der Stimmen, sondern die durchschnittliche Bewertung; auch diese lässt sich jedoch in analoger Weise manipulieren.

Bewertung durch eine Fachjury: Ein entsprechendes Gremium sollte aus etwa fünf Personen bestehen und idealerweise interdisziplinär zusammengesetzt sein, wobei die Kompetenz zur Bewertung des Wettbewerbs ersichtlich werden muss. Denkbar sind zum Beispiel Personen aus Wissenschaft, Medien und Politik sowie aus der politischen Bildungsarbeit. Das oben genannte Gebot der Nachvollziehbarkeit sollte bei „60 Sekunden für Toleranz" durch eine öffentliche Abstimmung erreicht werden. Die Bewertungskriterien finden Sie weiter unten.

Zweifache Bewertung: Im Wettbewerb „60 Sekunden für Toleranz" kürte das Publikum online einen Preisträger, zwei weitere bestimmte die Fachjury. Bei einer zweifachen Bewertung gibt es also nicht „den" einen Sieger, auch wenn z.B. der Publikumspreis höher eingestuft und entsprechend besser prämiert werden kann.

Gemischte Bewertung: Auch eine Mischung aus Publikums- und Jurybewertung ist möglich, beispielsweise indem beide Bewertungsteile jeweils fünfzig Prozent zählen.

Vergeben von Sonderpreisen: Es besteht die Möglichkeit, dass Beiträge auch außerhalb der regulären Prämierung mit Auszeichnungen bedacht werden. Das ist immer dann sinnvoll, wenn besondere Leistungen gewürdigt werden sollen, die sich beispielsweise auf Teilaspekte des Wettbewerbs beziehen. Ein Wettbewerb wie „60 Sekunden für Toleranz" könnte z.B. für Einsendungen aus dem Ausland geöffnet werden, die separat geehrt werden. Gerade im Umfeld einer internationalen Großveranstaltung (2010: Fußball-WM in Südafrika; 2014: Fußball-WM in Brasilien) wäre dies ein interessanter Baustein, der allerdings auch zusätzlichen logistischen Aufwand bedeuten würde. Sonderpreise können entweder bereits zu Wettbewerbsbeginn ausgelobt oder erst im Zuge der Bewertungsphase ergänzend geschaffen werden.

Angemessene Ehrung: Die Motivation der Teilnehmenden kann nicht nur durch attraktive Preise gesteigert werden, sondern auch durch einen angemessen Rahmen der Preisverleihung. Für die „60 Sekunden"-Formate wurde beispielsweise das Bayerische Kultusministerium als Ort gewählt. Was man bei der Preisverleihung beachten muss, lesen Sie weiter unten.

„Wer gewinnt warum?" (II) – Kriterien für die Jurybewertung:

Für die Jurybewertung der „60 Sekunden"-Wettbewerbe wurden insgesamt neun Kriterien aufgestellt, in denen Punkte von 0 bis 3 vergeben wurden. Die maximale Punktzahl lag also bei 27. Die Kriterien ließen sich drei Kategorien zuordnen: Thema; Umsetzung / künstlerische Gestaltung; Gesamteindruck.

Hier die Bewertungskriterien im Einzelnen:

Thema

  • Verständlichkeit: Ist der Inhalt des Videos verständlich? Wird die Absicht deutlich?
  • Inhaltliche Wertigkeit / Tiefe: Ist die Aussage inhaltlich wertvoll? Tiefe des Inhalts?
  • Erfüllung der Themenstellung: Wurde die Themenstellung erfüllt?
  • Originalität / Kreativität: Ist das Thema originell und kreativ?
  • Persönlicher Bezug: Ist ein persönlicher Bezug zum Leben der Jugendlichen erkennbar?

Umsetzung / künstlerische Gestaltung

  • Originalität / Kreativität: Ist die Umsetzung des Themas kreativ und originell?
  • Künstlerische Gestaltung insgesamt: Wie ist die künstlerische Gestaltung insgesamt gelungen?
  • Bildgestaltung: Wie ist das Bildmaterial? Wie sind dies Schnitte, unterschiedlichen Perspektiven, Einstellungsdauern?

Gesamteindruck

  • Gesamtbild: Wie wirkt das Video insgesamt?

Eine Bewertungstabelle zum Ausdrucken finden Sie in Punkt 7 der virtuellen Handreichung.

„Der krönende Abschluss" – Die Preisverleihung:

Auch die abschließende Preisverleihung will gut organisiert sein.

Im Folgenden finden Sie einen kurzen Überblick darüber, was diesbezüglich zu tun ist.

Im Vorfeld: Pressearbeit; Sieger benachrichtigen; Anreise der Gruppen organisieren; Preise besorgen; Technik erkunden; Ablaufplan für die Verleihung erstellen; Catering organisieren; falls möglich, Power-Point-Präsentation vorbereiten und Siegervideos einbinden; Laudatio vorbereiten

Am Tag der Verleihung: Preise zum Verleihungsort transportieren; Räumlichkeiten dekorieren; Technik überprüfen; Ablaufplan durchgehen; Fotos von der Veranstaltung machen (lassen)

Danach: Sieger interviewen; Artikel verfassen (lassen)

Benötigte Materialen: Preise; Laptop; Beamer; Kamera; Moderationskoffer; Info- und Werbematerial

„(Fast) geschafft!" – Was im Nachgang zu beachten ist:

  • Selbstreflexion, evtl. ergänzt durch Evaluation zur Verbesserung künftiger Wettbewerbe
  • Schaffung von Synergieeffekten: Können beispielsweise – das Einverständnis der Teilnehmer vorausgesetzt – die produzierten Filme auch weiterhin für die politische Bildung genutzt werden?
  • Veröffentlichen von Erfahrungsberichten, von denen wiederum andere Akteure der politischen Bildungsarbeit profitieren können
  • „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel": Ist es möglich, eine kontinuierliche Wettbewerbsreihe – evtl. mit wechselnden Leitthemen – zu entwickeln?

7. Wo finde ich weiterführende Materialien?

Sie haben sie wahrscheinlich schon entdeckt: am Seitenanfang.

Schluss

8. Die Handreichung in 60 Sekunden: Eine kurze Zusammenfassung

In der Kürze liegt die Würze. Diese Weisheit mag abgedroschen klingen, wahr bleibt sie dennoch. In 60 Sekunden zu einem politischen Grundthema Stellung zu beziehen, ist nicht leicht – aber reizvoll. Die „60 Sekunden"-Wettbewerbe, die bislang zwei Mal stattfanden, laden Jugendliche dazu ein, sich einmal anders mit Politik auseinanderzusetzen, nämlich in Form einminütiger, selbst gedrehter Videoclips. Eine Idee, die auch für die Erwachsenenbildung gewinnbringend adaptiert werden kann. Die Resultate der bisherigen beiden Wettbewerbe offenbarten nicht nur eine große Bandbreite an kreativen Ideen, sondern auch, dass sich die Teilnehmer wirklich Gedanken darüber gemacht haben, was Demokratie (2009) bzw. Toleranz (2010) für sie persönlich bedeuten – und das alles ganz ohne Tafelanschrift, Lehrbuch und Arbeitsblatt. Die Einbindung des Web 2.0 hat sich zudem als äußerst fruchtbar für ein solches Wettbewerbsformat erwiesen. Mithilfe dieser Handreichung sollten die Erfahrungen der Initiatoren an Interessierte weitergegeben werden. Denn Nachahmer sind ausdrücklich erwünscht.

Herausgeber der Handreichung:

Netzwerk für Politische Bildung Bayern (Projekt des Lehrstuhls für Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenen- und Weiterbildung an der Universität Augsburg)

Erscheinungsort, -jahr: Augsburg, 2012

Die Autoren:

Dr. phil. Christian Boeser

Akademischer Oberrat am Lehrstuhl für Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenen- und Weiterbildung (Prof. Dr. Elisabeth Meilhammer) an der Universität Augsburg

Fares Kharboutli, M.A.

Doktorand der Politikwissenschaft an der Universität München, freier Journalist

Florian Wenzel

Doktorand der Erziehungswissenschaft an der Universität Augsburg, freiberuflicher Trainer / Berater

Gelesen 1994 mal Letzte Änderung am Montag, 05 September 2016 14:08
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